Donnerstag, 17. Juli 2014

A really tiny thing.

Hallo ihr Lieben,
Sonntag vor einer Woche ist uns etwas kurioses widerfahren.
Ich wollte gerade den Gartentisch für ein sonniges Frühstück säubern, als meine Nachbarin mir zuwinkte. „Hallo Geli, hast du gestern zu viel getrunken?“ Die Frage warf mich etwas aus der Bahn. Hatten wir unsere Nachbarn mit unserem vorabendlichen Grillen verärgert? Waren wir zu laut gewesen? Nichts dergleichen. „Wenn du weiße Mäuse siehst- da hinten sitzt wirklich eine.“ „Tatsächlich!“, rief der Freund aus, der sich mittlerweile dazugesellt hatte, und deutete auf die hintere Terrasse, auf der tatsächlich ein weißer Fleck saß.
„Wollt ihr sie fangen? Ich hol euch eine Kiste!“, rief die Nachbarin und verschwand im Haus, währen der Freund sich an die Maus anschlich und diesen Dasmussichunbedingthaben-Blick aufsetzte. Mit einer weißen Pappkiste versuchte er also eine weiße Albinomaus einzufangen. In einem Garten mit der Größe des unsrigen schier unmöglich. Er verjagte sie Richtung Nachbargrundstück. Ich bereitete trotzdem Nutellabrot-Krümel vor. Nur für den Fall, dass sie Hunger hatte und wieder kommen würde. Ja, ich weiß jetzt auch, dass das keine mausgerechte Nahrung ist. Aaaaber es half.

Wenig später erspähten wir das kleine Tierchen tatsächlich wieder. Es hatte sich unter unserem Rasenmäher versteckt und freute sich sichtlich über die dargereichten Nussnougathappen. In die Kiste hüpfen wollte es aber natürlich trotzdem nicht.
Deswegen zog der Freund los, um eine Lebendfalle bei seinen Eltern abzuholen. Die Maus, mittlerweile satt und müde, verkroch sich derweil in ein Grasnest unter dem Mäher.
Die Lebendfalle wurde wieder mit Brot gespickt und wir warteten ab, was passierte. Irgendwann wachte die Maus mit einem gewissen Hungergefühl auf und erspähte Brot im Käfig. Brot fand sie durchaus gut, Käfig eher weniger. Deswegen setzte sie alles daran die Nahrung durch Klettern auf den Käfig und wildem Zerren an Selbigem zu ergattern, ohne in die Falle zu tappen. Als sie merkte, dass das Unterfangen aussichtslos war, biss sie in den sauren Apfel und spazierte eben doch hinen. Sie zuckte kurz, als die Falle hinter ihr einschnappte, drehte sich kurz, um zu registrieren, dass sie nicht mehr rauskam, und widmete sich dann ihrem zweiten Frühstück.

Nun hatte der Freund, was er wollte. Und nun? „Ich hole ein Aquarium von meinen Eltern“. Gesagt getan, etwas gemähtes Heu dazu, eine Pappkiste als Haus und einen Eierbecher als Wassernapf und rein mit dem Getier.
Das fand die Maus angesichts der beengten Falle auch gar nicht so verkehrt.

Am nächsten Tag wurde sie in einen Pappkarton verfrachtet und zum Tierarzt verschleppt, der uns erst schockte und die Maus als trächtige Dame identifizierte, nur um kurz später das Skrotum doch noch zu erspähen und das Tier als gesundes und munteres Männchen, wohl genährt und ca. 3 Monate alt zu entlassen.
Jetzt hatten wir eine Maus, die laut Krankenakte auf den Namen Muisje (ja, sehr kreativ), hören musste.
Einstreu und Futter war schnell besorgt. Nur einen größeren Käfig in unserer Preisklasse fanden wir nicht. Angesichts der Kletter- und Nagambitionen unseres kleines Freundes, musste das Aquarium aber dringend weg. Im Internet bestellten wir ein Hamsterparadies, das auch wenige Tage später eintraf.

Die Maus war begeistert von Treppen, Röhren und Laufrad, ganz besonders aber von den Gitterstäben, die ihr endlich ermöglichten das Wohnzimmer auch mal außerhalb eines Gefängnisses zu begutachten.
Also: Kaninchendraht auf die Fluchtstelle. Damit vermuteten wir den Käfig ausbruchssicher. War er aber nicht. Als wir am Abend ins Wohnzimmer traten, bemerkte ich ein Huschen unter der Truhe und knallte die Tür geistesgegenwärtig hinter mir zu. Mein Sprint zum Käfig ergab: Maus ist weg. Die schaute mich mit großen roten Augen unter der Truhe hervor an. Was sollte denn diese ganze Aufregung? Sie wolle doch nur ein wenig herumlaufen.

Also musste die Maus wieder hinter die Glaswände. Das gefiel ihr nicht und uns noch viel weniger.
So geschah es, dass der ganze Käfig mit Kaninchendraht in Fort Maus verwandelt wurde. Der härteste Hochsicherheitstrakt in der Mäusewelt. Hier kommt keine Maus raus. Klappte tatsächlich.

Und so kommt es, dass wir jetzt abends beim Fernsehen von dem sanften Quietschen des Laufrades begleitet werden- und die Wohnzimmertür doch lieber geschlossen halten.
Fort Maus

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