Dienstag, 24. Februar 2015

Marc Watson- Überlebensgroß



Die Handlung:
Ich finde es immer ein wenig schwer die Handlung eines Romans zu beschreiben ohne zu viel vorweg zu nehmen. Deswegen umreiße ich nur ganz kurz das Thema.
Dominik ist Fotograf, führt eigentlich ein ganz normales Leben. Eigentlich. Denn in seinen Memoiren (so liest sich der Roman) lässt er uns hinter die Kulisse blicken. Er erzählt uns von seiner Familie, seinem Bruder, mit dem er sich nicht versteht; von seiner Schwester, die er über alles liebt. Von der menschlichen Kälte und der verzweifelten Suche nach Wärme.
Von der Frau, in die er sich verliebt, die er heiratet. Von seiner Tochter.
Eigentlich ein ganz normales Leben. Oder eben auch nicht. Denn Gefühle kann man nicht kontrollieren.

Der Schreibstil/ die Stimmung:
Wenn ein Roman in der Ich-Form geschrieben wird, kommt man meist nicht an der Sympathie zum Protagonisten herum. So ging es mir auch hier, obwohl ich mit so einigem, was Dominic tut oder sagt überhaupt nicht einverstanden bin. Aber Watson schafft es trotzdem, dass ich Dominic alles Glück der Erde wünsche.
Schön geschrieben, eindringlich, ohne gekünstelt oder übertrieben zu wirken. Leicht runterzulesen, aber nicht platt. Auf jeden Fall gute Unterhaltung.

Mein Fazit:
Habe ich geweint? Nein.
Ich war leider ein wenig enttäuscht. Nachdem ich Watsons „11 Leben“ gelesen habe und es wirklich geliebt. Zwischendurch habe ich geheult wie ein Schlosshund. Das Thema von „Überlebensgroß“ hat mich nicht ganz kalt gelassen, aber auch nicht im Entferntesten so berührt. Ich denke aber, dass Watson seine Leser genau an diesen Punkt bringen wollte: Seine eigene Moralität zu hinterfragen und sich die Was-wäre-wenn-Frage zu stellen.
Durchaus also ein gelungener, unverblümter, ehrlicher Roman. Es lohnt sich ihn zu lesen und er wird mir sicher noch lange im Gedächtnis bleiben.